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Momente des deutschen Films

Supermarkt

Ein Outlaw auf St. Pauli

„Supermarkt“ – Ein Film von Roland Klick. F.A.Z. Filmedition „Momente des deutschen Films“.„Supermarkt“ – Ein Film von Roland Klick. F.A.Z. Filmedition „Momente des deutschen Films“.

Du hast keine Chance, also nütze sie: Roland Klicks „Supermarkt“

Willi ist so einer: Er stiehlt auf dem Bahnhofsklo die Groschen für die Reinigungskraft. Die Fingernägel putzt er sich mit einem Springmesser. Er läuft dauernd vor der Polizei davon, dabei meinen es die Behörden doch gut mit ihm. Willi hat einen Amtsvormund und einen Erziehungsbeistand. Er müsste sich nur helfen lassen. Das aber hat er nicht gelernt. Er kennt nur die Regeln der Straße: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner. Mit Willi, dem zentralen Protagonisten in Roland Klicks „Supermarkt“, tauchte 1973 eine Figur im deutschen Kino auf, die es so auf der Leinwand noch nicht gegeben hat. Kein Halbstarker, wie sie fünfzehn Jahre früher die junge bundesrepublikanische Wohlstandsgesellschaft nervös gemacht hatten, auch kein Gangster, wie sie in Hollywood gefeiert und verdammt wurden. Willi ist einer, dem einfach nicht zu helfen ist. Er ist zu unstet, er läuft auch dann weg, wenn es jemand gut mit ihm meint. Seine Welt sind die Bahnhöfe und Kaschemmen, er durchquert ein St. Pauli, in dem es nicht nur die Reeperbahn gibt, sondern viele Hinterhöfe und Sackgassen, Pflastersteine und Drecklöcher.

Das Leben ist kein Supermarkt für Willi.
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Das Leben ist kein Supermarkt für Willi.

Monika, die einzige Frau, zu der er Vertrauen hat, arbeitet in einem Nachtclub und lässt sich von einem älteren Mann aushalten. Aus der Perspektive der Massenmedien ist Willi kein Individuum, sondern der Vertreter eines Milieus. „Dieses Milieu bedroht unsere Leser“, erregt sich ein Chefredakteur seinem engagierten Reporter Frank gegenüber. Dieser Frank treibt sich auf dem Jugendamt herum, er schreibt Geschichten über die Problemfälle der Gesellschaft, und er versucht gelegentlich auch, selber einem zu helfen. Als er Willi trifft, nimmt er ihn erst einmal zu sich nach Hause mit und gibt ihm etwas zum Anziehen. Franks Freundin Anna, die gerade aus der Dusche kommt, nur mit einem Handtuch bedeckt, flirtet gleich mit ihm, denn Willi ist attraktiv mit seinem wilden Haar und seinem verwegenen Blick. Frank möchte, dass Willi kapiert, worum es eigentlich geht, dabei weiß er es selber nicht so genau. „Du wirst doch nicht schwul werden“, ziehen die Kollegen und Freunde den Reporter auf, als er mit seinem neuen Freund in nobles Restaurant geht. Sie trinken Beaujolais 59, zwischen den Männern klafft eine Welt.

Willi haut wieder ab, er treibt sich herum, der Bahnhof, „das ist die freie Wildbahn“. Ein Mann namens Theo zahlt ihm ein Bier, er sieht in Willi ein Talent, das sich auf verschiedene Weise einsetzen lässt. Zuerst schickt er ihn einmal auf den Strich, aber er soll sich gar nicht richtig einlassen mit dem Mann, sondern ihn nur an einen Ort locken, wo sie ihn ausnehmen können. „Du stehst hier keine zehn Minuten“, und so ist es dann auch. Willi aber lässt sich auch hier nichts vorschreiben, er will die Sache auf eigene Faust durchziehen, und so geht er mit einem eleganten Herrn, der ihn in eine Villa mit Garten bringt, auch er mit diesem Satz auf den Lippen, den Willi so oft zu hören bekommt: „Du musst dir erst mal was Frisches anziehen.“ Auch dieses Haus verlässt Willi fluchtartig durch die Terrassentür, nur mit einer Unterhose bekleidet, die frischen Sachen von seinem Freier trägt er in der Hand. Ein Gemälde von Modigliani liegt zerstört auf dem Boden, die Drohung des reichen Ästheten verfolgt Willi: „Das wirst du büßen, dein Leben lang, Mark für Mark.“

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Supermarkt - FAZ DVD
von Roland Klicks
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Weitere spannende Informationen und Hintergrundgeschichten befinden sich im ausführlichen Booklet zur DVD. Extra: Interview zum Film mit einem F.A.Z.-Redakteur!

Diese DVD erhalten Sie auch im hochwertigen Schuber mit allen Filmen aus der ersten F.A.Z. Filmedition „Momente des deutschen Films“. Dieser wartet zudem mit einer Bonus-DVD auf: AUGE IN AUGE - EINE DEUTSCHE FILMGESCHICHTE, ein Dokumentarfilm als Liebeserklärung an das deutsche Kino. Jetzt informieren und bestellen!

Produktinformationen:

Regisseur( e): Roland Klick
Drehbuch: Roland Klick
Darsteller: Charly Wierzejewski, Eva Mattes, Michael Degen, Walter Kohut, Hans-Michael Rehberg, Jürgen Bieske-Feddern u.a.
Produktionsjahr: 1973
Spieldauer: 80 Min.
Sprache/Ton: deutsch / Dolby Digital 2.0
Bildformat: 1,85:1
FSK: 16 Jahre
Extras: Filmgespräch

Buchtitel: Supermarkt - FAZ DVD
Buchautor: Roland Klicks